Euskal Herria

Auszug aus dem Buch:

1.KAPITEL: ABENDDÄMMERUNG

Über den westlichen Gebirgshängen der Pyrenäen schimmerte der Abendhimmel in Gold, und gegen Osten zu, in gleitenden Übergängen bis hin zu dunklem Rot. Der Wind hatte sich schon schlafen gelegt. Hoch umrahmt von den senkrecht in den Himmel ragenden kahlen Steinwänden, das weite Tal dazwischen. Am Nordende, da wo sich der Gebirgsbach rauschend aus der Klamm löst, um dann gemächlich den Talgrund nach Süden zu durcheilen, duckte sich die einfache Steinhütte an den westlichen Hang. Beidseits schlichte Stallungen. Alles einfache, geschichtete Mauern aus Gesteinsbrocken, mit Steinplatten abgedeckt, und von dünnen Lehmfugen zusammengehalten. Nebenan sofort der Weinberg. Ein Hain mit Apfelbäumen dahinter. Darüber dann der Kiefernwald. Der verdünnte sich nach oben, zur Baumgrenze hin, rasch in Buschwerk, das sich alsbald an den nackten Steilwänden verlor.

Der Mann saß lässig vor seinem Haus auf der Steinbank. Nicht sehr groß, aber von einer ausgesprochen kraftvollen Figur, wie alle Basken. Muskulöse Oberarme zeugten von hartem Arbeitstraining in Feld und Wald, auf dem Acker und mit dem Vieh. Das schwarze, wie ein Filz wirkendes Haardach zeigte weder eine Lücke noch ein erstes graues Haar. 30 Sommer mochte erzählen. Zufrieden lehnte er den müden Rücken an die Wand. Sein Blick streifte über die abgeernteten Felder und die abgeheuten Wiesen unter ihm, im Talgrund. Der Wein war im Fass. Das Korn schon gedroschen. Die Korntruhe voll gefüllt. Ein mächtiger Heuberg an der Stallwand würde bis weit ins nächste Jahr die Fütterung des Viehs sichern. Basajaun, der Gott des Ackerbaues und der Wälder, hatte ihn gesegnet.

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