Rolands Lied

Auszug aus dem Buch:

1. KAPITEL: VORBEREITUNG

Caesar Augusta nannten die Römer ihre wichtigste Festung im Nordwesten Iberiens. Der Name macht es klar. Sie war ein spätes Kind Roms. Ihre Geburtsstunde liegt ziemlich gleich mit der jenes im fernen Judäa geborenen Knäbleins namens Jesus. Sie beherrschte den freien Zugang von Norden zum Rest der Halbinsel. Dementsprechend gewaltig und massiv war sie nach und nach ausgebaut worden. Und war dann doch nur ein in Stein gekleidetes, ausgedehntes Lager einer Legion mit einer umfassenden Fülle benötigter Anbauten. Günstig auf einem Hügel am Rio Ebro, und im Zentrum einer weiten Hochebene angesiedelt.

800 Jahre später rauschte noch immer der Rio Ebro am Fuße der Nordmauer vorbei. Nicht direkt. Zwischen Mauer und Fluss lag die Umgehungsstraße auf dem Höhenrücken. Unter ihm folgten die Kais der beiden Flusshäfen.

Der Ebro ist ein beeindruckender Gebirgsfluss. Auch sein Name ein Römererbe. Flavus Ibericus hieß er einst zu recht, denn er entspringt am Atlantik und wühlt sich quer durch Iberiens Sierras zum Mittelmeer. Das machte ihn einst zur Grenze der Punier im Süden und der Römer im Norden. Ohne Ende schlängelt er sich von Kurve zu Kehre. Mehr noch ein Mäander als der Pate dieses Namens, fließt er mal nach Norden oder Süden, nach Osten oder Westen, bis er zuletzt doch das Mittelmeer findet. Er war einerseits der schützende nördliche Wallgraben der Festung; andererseits, im Verbund mit dem Schiffsverkehr des Mittelmeeres, eine ihrer Lebensadern; der Nordwestlauf beförderte die Versorgung der Stadt herbei.

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